Du hattest genug Zeit, und trotzdem bist du zu spät. Nicht weil zu viel dazwischenkam, sondern weil du immer noch eine Sache eingeschoben hast: noch kurz die Mail, noch schnell die Wäsche, noch ein Blick aufs Handy. Von außen wirkt das wie schlechtes Zeitmanagement. Von innen ist es etwas anderes.
Dahinter steht Angst. Nicht die Angst vor dem Zuspätkommen selbst, sondern die Angst vor dem, was passiert, wenn du pünktlich bist. Dann musst du ankommen, gesehen werden, still dasitzen, während die anderen noch nicht da sind. Pünktlichkeit verlangt, dass du deinen eigenen Raum einnimmst. Angst flüstert: Noch schnell eine Aufgabe, dann bist du beschäftigt und musst dich nicht zeigen.
Liebe sagt etwas anderes. Liebe sagt: Du darfst die Erste sein. Du darfst ankommen, bevor alle anderen da sind, und dir selbst gehören, auch in den Minuten davor. Deine Zeit ist deine Zeit, nicht etwas, das du verstecken musst. Die Frage ist nicht, ob du dich besser organisierst. Die Frage ist, ob du dir erlaubst, anzukommen – ohne etwas einzuschieben, das dich versteckt.
Weiterfragen: Warum füllst du jede freie Minute mit etwas? · Warum räumst du auf, wenn du eigentlich müde bist?