Warum tut Vergebung so weh?

Du willst vergeben, wirklich. Aber der Schmerz meldet sich zurück, als wäre es gestern gewesen. Vergebung fühlt sich an wie Verrat an dir selbst. Der Schmerz bleibt nicht, weil du nachtragend bist, sondern weil etwas in dir noch nicht gesehen wurde. Dann ist das Festhalten Angst, dass dein Schmerz vergessen wird.

Man kann das Zögern anders lesen. Vielleicht ist dein Festhalten ein Schutz, den du einmal gebraucht hast. Vielleicht wartest du, dass jemand deinen Schmerz anerkennt. Die Frage ist, ob er dir noch dient oder dich gefangen hält. Worauf baust du?

Vergeben heißt nicht, dass es in Ordnung war. Es heißt, dass du aufhörst, die Verletzung jeden Tag neu zu bezahlen. Aus Angst hältst du den Schmerz fest, weil er dir vertraut ist. Aus Liebe lässt du ihn gehen, weil du Frieden willst. Du darfst dich erinnern und trotzdem frei sein. Vergebung ist kein Geschenk an andere. Sie ist die Entscheidung, dass dein Herz nicht länger ihr Gefängnis ist.

Weiterfragen: Warum lieben wir Menschen, die uns wehtun? · Warum verletzen wir die, die uns am nächsten sind?

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