Gerade die, die dir am wichtigsten sind, bringen dich am schnellsten auf die Palme. Ein falsches Wort, und du eskalierst. Mit Fremden bleibst du höflich, weil nichts auf dem Spiel steht; mit den Liebsten steht alles auf dem Spiel. Dann ist der Streit oft keine Wut, sondern Angst: die Angst, nicht gesehen zu werden, wo du es am meisten willst.
Man kann den Streit anders verstehen. Vielleicht streitet ihr, weil ihr beide noch da seid, weil euch die Sache wichtig genug ist, um zu kämpfen statt zu schweigen. Streit kann bedeuten: „Du bist mir nicht egal.“ Die Frage ist nicht, ob ihr streitet, sondern worauf ihr baut: Worauf baust du?
Streiten beweist nicht, dass etwas kaputt ist, sondern dass etwas besprochen werden will. Aus Angst kämpfst du, um zu gewinnen. Aus Liebe kämpfst du, um zu verstehen. Du darfst laut sein und dich ärgern, aber mach den anderen nicht zum Feind. Er ist der Mensch, mit dem du dieselbe Frage stellst: Wie bleiben wir verbunden?
Weiterfragen: Warum lieben wir Menschen, die uns wehtun? · Warum verletzen wir die, die uns am nächsten sind?