Warum willst du hinter allem den Grund sehen?

Du fragst nach dem Grund, nicht nur nach dem, was passiert ist. Etwas ist geschehen, und du willst wissen: warum. Im Französischen heißt die Antwort auf dieses Warum „la raison“ – und „pourquoi“ heißt wörtlich „für was“. Du fragst also nicht nur nach einer Ursache, sondern nach einer Rechnung, die aufgeht.

Dahinter steht Angst. Das lateinische Wort für Vernunft, „ratio“, bedeutet ursprünglich: Rechnung, Rechenschaft. Du willst, dass die Welt sich verrechnen lässt, dass am Ende eine Summe steht, die stimmt. Was keinen Grund hat, macht dir Angst, denn es lässt sich nicht kontrollieren. Angst flüstert: Wenn es keinen Grund gibt, gibt es keinen Halt.

Liebe sagt: Nicht alles, was dich trägt, legt dir seine Rechnung vor. Manches ist einfach da – ohne Grund, den du sehen kannst – und trägt dich trotzdem. Fragen ist gut; es ist deine Art zu verstehen. Aber du darfst auch vor dem stehen, was nicht aufgeht, und dich trotzdem gehalten fühlen. Die Frage ist nicht, ob du fragst. Die Frage ist, ob du aushältst, dass nicht jede Rechnung geschlossen wird.

Weiterfragen: Warum fürchten wir Fragen mehr als Antworten? · Warum halten wir an Gewissheiten fest, die uns unsicher machen?

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