Warum verschiebst du einen Abschied mit immer neuen praktischen Fragen?

Die Besucherin steht schon in der Tür, doch du fragst noch nach der Zugverbindung, reichst eine Tüte und suchst nach einem vergessenen Schal. Alles ist freundlich gemeint. Trotzdem merkst du, dass jede Kleinigkeit das eigentliche Auseinandergehen noch ein wenig hinauszögert, obwohl längst nichts Wichtiges ungeklärt ist.

Praktische Handlungen können einen schwierigen Übergang weicher machen. Du bleibst hilfreich und verbunden, ohne direkt sagen zu müssen, dass du den Menschen ungern gehen lässt. Das ist verständlich. Manchmal wird der Abschied dadurch allerdings länger, ohne leichter zu werden, besonders wenn dein Gegenüber bereits aufbrechen möchte.

Du könntest schlicht sagen, dass der Besuch schön war und du die gemeinsame Zeit vermissen wirst. Danach darf die Tür zugehen. Ein klarer Abschied nimmt der Nähe nichts weg; er kann ihr vielmehr eine freundliche, respektvolle Grenze für heute geben.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

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