Du öffnest ein altes Heft und findest Sorgen, an die du dich kaum erinnerst. Gleichzeitig fehlen Ereignisse, die dir heute entscheidend erscheinen. Du erkennst deine Schrift, aber nicht jede deiner damaligen Gewissheiten. Die Vergangenheit wirkt plötzlich weniger eindeutig als in den Geschichten, die du gewöhnlich erzählst.
Ein Tagebuch hält einen damaligen Blick fest, keinen vollständigen Bericht. Dein heutiges Erinnern ordnet ebenfalls aus einer bestimmten Perspektive. Beide können nebeneinanderstehen und Unterschiede zeigen. Du musst weder den alten Einträgen vorbehaltlos glauben noch sie abwerten, weil du inzwischen anders über dein Leben denkst.
Vielleicht liest du wenige Seiten und lässt sie auf dich wirken. Du darfst deinem früheren Ich freundlich begegnen, ohne seine Urteile zu übernehmen. Veränderung zeigt sich manchmal gerade darin, dass du nicht mehr überall zustimmst.