Warum übersetzt du am Schalter auch die Entscheidung gleich mit?

Du begleitest einen Bekannten zu einem Termin und übersetzt die Fragen. Als ihm zwei Möglichkeiten genannt werden, antwortest du schon für ihn. Eine davon erscheint dir offensichtlich besser. Dein Bekannter wartet noch auf die vollständige Erklärung, während am Schalter bereits das nächste Formular hervorgeholt wird.

Vielleicht trifft hier zu: Dahinter steht Angst: dass das Gespräch zu lange dauert oder deine Hilfe nicht kompetent genug wirkt. Worauf baust du – auf deine schnelle Auswahl oder auf seine verstandene Entscheidung? Übersetzen gibt dir Zugang zu Worten, nicht zu seinem Willen.

Wer auf Liebe baut, bittet um einen Moment und erklärt beide Möglichkeiten vollständig. Du darfst auf Wunsch deine Einschätzung ergänzen. Lass anschließend deinen Bekannten antworten, auch wenn seine Wahl anders ausfällt als deine eigene.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

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