Warum schweigst du, obwohl du widersprechen willst?

Du sitzt in der Runde, alle nicken, und in dir meldet sich leise ein Widerspruch. Du formulierst ihn schon im Kopf, dann schluckst du ihn herunter. Warum schweigst du, obwohl du etwas zu sagen hast?

Oft, weil Schweigen sich sicher anfühlt. Wer widerspricht, riskiert Ablehnung und Streit. Wer nickt, gehört dazu. Aus Angst vor dem Alleinsein verkaufen wir unsere Gedanken für ein Gefühl von Gemeinschaft.

Dreh den Blick um: Vielleicht sitzt neben dir jemand, der genauso denkt und genauso schweigt. Ihr haltet einander für die Mehrheit, die ihr gar nicht seid.

Das Gegenmittel ist keine laute Meinung, sondern eine ehrliche Frage. Statt zu widersprechen, kannst du sagen: Ich sehe das anders, hilf mir, deinen Blick zu verstehen. Aus Urteil wird Neugier.

Du musst nicht beim nächsten Termin aufstehen und dagegenreden. Einmal den Satz aussprechen, der dir auf der Zunge liegt, bevor die Angst ihn schluckt. Denn jede Gesellschaft beginnt dort, wo einer aufhört zu schweigen.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

Nach oben scrollen