Andere sagen, die Erfahrung habe dich sicher stärker gemacht. Du weißt, dass du manches gelernt hast, aber der Satz passt trotzdem nicht. Er klingt, als müsste der entstandene Schaden durch einen Gewinn ausgeglichen werden, damit du angemessen oder versöhnlich über diese Zeit sprechen darfst.
Entwicklung und Verletzung können nebeneinander bestehen. Dass du Fähigkeiten erworben hast, bedeutet nicht, dass die Belastung notwendig, gerecht oder im Ergebnis gut war. Du musst deinem Leid keinen pädagogischen Zweck geben. Auch ein Leben mit ungelösten Verlusten kann bedeutsam werden, ohne die Vergangenheit nachträglich zu rechtfertigen oder schönzureden.
Du darfst sagen, was die Erfahrung gekostet hat und was dir heute hilft. Wenn du Unterstützung brauchst, ist das kein Gegenbeweis zu deiner Stärke. Deine Geschichte gehört dir. Sie muss nicht als ermutigendes Beispiel enden, damit andere sie respektvoll hören und deine gegenwärtigen Bedürfnisse ernst nehmen können.