Neben dem Bett wächst der Stapel, und jede Empfehlung legt gedanklich ein weiteres Buch darauf. Du freust dich auf die Geschichten, fühlst aber zugleich Druck. Schon beim Lesen denkst du daran, wie wenig du schaffen wirst. Aus Möglichkeiten ist beinahe eine Aufgabe ohne erreichbares Ende geworden.
Begrenzte Lebenszeit trifft hier auf ein Angebot, das immer größer bleibt als deine Aufmerksamkeit. Das muss kein persönliches Defizit sein. Niemand kann alle interessanten Bücher lesen, alle Wege gehen oder jede Erfahrung nachholen. Auswahl gehört nicht erst dann zum Leben, wenn du etwas falsch geplant hast.
Vielleicht behandelst du die Liste wieder als Vorrat statt als Verpflichtung. Du darfst ein Buch langsam lesen, abbrechen oder zum zweiten Mal wählen. Eine gute Lesestunde wird nicht dadurch kleiner, dass viele andere Seiten für dich ungelesen bleiben.