Warum hältst du deine eigenen Ansprüche für unveränderliche Regeln?

Du prüfst einen Text zum vierten Mal, obwohl die Aufgabe längst erfüllt ist. Es muss eben so sein, sagst du. Dabei hat niemand diesen zusätzlichen Standard verlangt. Dein persönlicher Anspruch klingt inzwischen wie eine feste Vorschrift, gegen die du gar keine Entscheidung mehr treffen könntest.

Hohe Maßstäbe können Qualität sichern. Sie werden belastend, wenn ihr Zweck nicht mehr geprüft werden darf. Vielleicht entstand die Regel in einer früheren Situation, in der Fehler besonders teuer oder beschämend waren. Heute kann sie weiterlaufen, obwohl Aufgabe, Risiko und verfügbare Zeit anders aussehen.

Du könntest einen Anspruch probeweise als Wahl formulieren: Ich entscheide mich hier für eine zusätzliche Prüfung. Dann wird auch die Gegenfrage möglich, ob sie diesmal nötig ist. Sorgfalt verschwindet dadurch nicht. Sie bekommt wieder einen Zusammenhang und muss nicht jede kleine Aufgabe nach denselben strengen Regeln behandeln.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

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