Warum vertrittst du eine These, die du nie gelesen hast?

Du wiederholst einen Standpunkt, den du irgendwo aufgeschnappt hast, und gibst ihn als deinen eigenen aus. Das Original kennst du nicht, die Argumente dahinter auch nicht, doch du klingst trotzdem sehr sicher. Es fühlt sich an, als würde dir die Meinung gehören.

Dahinter steht Angst: als unbelesen dazustehen, wenn du zugeben müsstest, dass du nur nachsprichst und nichts Eigenes beizutragen hast. Worauf baust du – auf die geliehene These oder auf dein eigenes Studium?

Wer auf Liebe baut, liest, was er vertritt, bevor er es vertritt. Du darfst zugeben, dass du etwas noch nicht gelesen hast, und es dann in Ruhe nachholen.

Weiterfragen: Warum fühlt sich das Bekannte sicherer an als das Wahre? · Warum misst du Klugheit daran, wie schnell jemand antwortet?

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