Was tust du aus Liebe – und was aus Angst, sie zu verlieren?

Du sagst eine eigene Verabredung ab, um für jemanden da zu sein. Es kann genau die Entscheidung sein, die du treffen möchtest. Es kann auch sein, dass du einen Konflikt vermeiden willst. Von außen lässt sich das nicht zuverlässig entscheiden.

Kein Reinheitstest

Liebe und Verlustangst können nebeneinander vorkommen. Die Frage soll keine makellosen Gefühle verlangen. Sie soll sichtbar machen, was deine Entscheidung gerade trägt. Wenn du dieselbe Nähe auch bei einem freundlichen Nein für möglich hieltest: Würdest du dich anders entscheiden?

Vielleicht nicht. Vielleicht möchtest du aus guten Gründen bleiben. Dann hat die Frage deine Entscheidung nicht widerlegt, sondern geklärt. Vielleicht aber merkst du, dass du jede eigene Grenze als Gefahr behandelst.

Was lässt sich aussprechen?

Du könntest deinen Wunsch und deine Grenze nebeneinander nennen: „Du bist mir wichtig. Heute möchte ich trotzdem zu dieser Verabredung gehen.“ Ob das Gegenüber enttäuscht ist, kannst du nicht vollständig bestimmen. Du kannst aber darauf achten, nicht durch Ausflüchte zu verschwinden.

Wenn Grenzen regelmäßig mit Drohungen oder Einschüchterung beantwortet werden, ist das mehr als eine Frage deiner inneren Haltung. Unterstützung durch eine vertraute Person oder eine Beratungsstelle kann dann wichtiger sein als weiteres Nachdenken allein.

Eine konkrete Beobachtung

Schreibe, wenn du möchtest, nicht „Ich bin abhängig“ oder „Ich liebe richtig“, sondern eine einzelne Szene auf. Was habe ich getan? Was habe ich befürchtet? Was wollte ich geben? Solche Beobachtungen lassen sich später überprüfen. Ein großes Urteil über dich macht das oft schwerer.

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