Du gehst durch die Stadt und merkst, wie du nach einer guten Geschichte suchst. Ein besonderes Café, ein überraschender Fund, ein Foto. Der Nachmittag scheint erst vollständig, wenn du etwas Berichtenswertes mitbringst, statt einfach unterwegs gewesen zu sein und den Moment ohne spätere Auswertung genossen zu haben.
Erzählen verbindet Menschen und ordnet Erfahrungen. Es kann aber die Wahrnehmung verengen, wenn du schon währenddessen nach dem passenden Höhepunkt suchst. Nicht alles Bedeutende lässt sich gut weitergeben. Manche Eindrücke bleiben körperlich, leise oder widersprüchlich und verlieren etwas, sobald sie in eine überzeugende kleine Geschichte verwandelt werden sollen.
Lass ein Erlebnis bewusst ohne Dokumentation und Bericht. Du darfst später sagen, dass der Nachmittag einfach gut war. Dein Leben muss nicht ständig Material liefern. Vielleicht entsteht gerade ohne diesen Auftrag mehr Aufmerksamkeit für das, was sich nicht spektakulär erzählen lässt und dir dennoch unmittelbar Freude oder Ruhe schenkt.