Du sagst oft, du seist eben unorganisiert, schüchtern oder nicht kreativ. Die Erklärung macht vieles schnell verständlich. Gleichzeitig bemerkst du Ausnahmen, die nicht dazu passen. Statt dein Bild zu erweitern, behandelst du sie wie Zufälle und kehrst zur vertrauten Beschreibung zurück, auch wenn sie Möglichkeiten verschließt.
Selbstbilder sparen Denkaufwand und schaffen Kontinuität. Gerade deshalb können sie länger bestehen als die Erfahrungen, auf denen sie beruhen. Vielleicht war die Erklärung einmal entlastend. Heute könnte sie verhindern, dass du neue Bedingungen oder Fähigkeiten wahrnimmst, die dein Verhalten verändern und eine genauere Sicht auf dich selbst erlauben.
Sammle konkrete Gegenbeispiele, ohne sofort das Gegenteil behaupten zu müssen. Du darfst in manchen Situationen zurückhaltend und in anderen mutig sein. Eine brauchbare Beschreibung lässt Unterschiede zu. Dein Selbstbild soll Orientierung geben, nicht jede neue Erfahrung so zurechtlegen, dass du immer dieselbe alte Geschichte über dich erzählen musst.