Warum nennst du einen niedrigen Stundenlohn trotzdem gute Bezahlung?

Du beschreibst deine Bezahlung als ganz ordentlich und rechnest dabei still die unbezahlten Zusatzstunden heraus. Würdest du sie einbeziehen, klänge deine Aussage anders. Vielleicht möchtest du den Job vor dir selbst verteidigen. Vielleicht wäre es schmerzhaft, eine vertraute Situation plötzlich in einem nüchterneren Licht zu sehen.

Arbeit kann sinnstiftend sein und zugleich unzureichend bezahlt werden. Diese beiden Wahrheiten schließen einander nicht aus. Auch Dankbarkeit für eine Stelle verpflichtet dich nicht, ihre Bedingungen schöner zu beschreiben, als du sie erlebst. Manchmal schützt Verharmlosung kurzfristig vor einem Konflikt, hält aber wichtige Fragen unsichtbar.

Du könntest zunächst für dich festhalten, welche Zeiten tatsächlich zur Arbeit gehören und wie du die Bedingungen empfindest. Daraus muss keine sofortige Entscheidung folgen. Ehrlichkeit mit dir selbst ist bereits ein Schritt. Du darfst etwas an deinem Beruf mögen und dennoch anerkennen, dass bestimmte Bedingungen nicht gut passen.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

Nach oben scrollen