Seit seinem Tod denkst du immer wieder an einen Menschen, mit dem vieles schwierig war. Du vermisst ihn und bist zugleich noch wütend. Manche Erinnerungen sind warm, andere tun aus alten Gründen weh. Du fragst dich, ob diese widersprüchlichen Gefühle deiner Trauer etwas von ihrer Berechtigung nehmen.
Beziehungen werden durch den Tod nicht nachträglich eindeutig. Nähe, Enttäuschung, Dankbarkeit und ungelöste Konflikte können nebeneinander bleiben. Vielleicht fehlt dir auch die Möglichkeit, dass sich noch etwas verändert hätte. Das muss weder beschönigt noch zu einer Lektion über Vergebung gemacht werden, damit du deinen Verlust ernst nehmen darfst.
Du kannst darüber mit jemandem sprechen, der Widersprüche aushält, ohne sofort Partei zu verlangen. Du musst keine endgültige Geschichte über den Menschen verfassen. Trauer darf kompliziert sein, weil die Beziehung kompliziert war und dennoch zu deinem Leben gehörte.