Warum bleibt ein verstorbener Mensch in deiner Vorstellung manchmal gleich alt?

Die Jahre gehen weiter, doch in deiner Erinnerung hat der Mensch noch dasselbe Gesicht wie beim letzten Treffen. An seinem Geburtstag rechnest du nach, wie alt er heute wäre. Diese Zahl passt kaum zu dem inneren Bild, das unverändert vertraut und zugleich schmerzlich stehen geblieben ist.

Erinnerung verfügt nur über gelebte Begegnungen, nicht über die Veränderungen, die noch hätten kommen können. Deshalb können deine eigene Zeit und das Bild eines Verstorbenen auseinandergehen. Darin liegt keine falsche Form von Trauer. Es ist eine der schwierigen Eigenheiten einer Beziehung, die keine neuen gemeinsamen Alltagserfahrungen mehr bekommt.

Du darfst dir vorstellen, wie ein heutiges Gespräch wäre, ohne daraus Gewissheit machen zu müssen. Ebenso darf das vertraute Gesicht bleiben. Deine weitergehenden Jahre löschen die damalige Nähe nicht, auch wenn ihr Abstand zur Gegenwart größer wird.

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