Abends zählst du erledigte Aufgaben auf und wirst unruhig, wenn die Liste kurz bleibt. Dabei hast du mit jemandem gesprochen, gekocht und eine Weile aus dem Fenster gesehen. Solche Stunden fühlen sich im Rückblick schwer belegbar an, als bräuchte jeder Tag einen sichtbaren Nachweis seiner Berechtigung.
Vielleicht hast du dich daran gewöhnt, Zeit nach Ergebnissen zu beurteilen. Das kann bei manchen Aufgaben helfen, erfasst aber nicht alles, was einen Tag lebenswert macht. Nähe, Erholung oder schlichtes Dasein hinterlassen nicht immer etwas Vorzeigbares. Sie werden dadurch nicht zu Lücken, die du nachträglich füllen müsstest.
Du könntest statt der Leistungsliste fragen, was du heute wahrgenommen oder gebraucht hast. Auch darauf muss keine eindrucksvolle Antwort folgen. Ein gewöhnlicher Tag darf Teil deines Lebens sein, ohne sich vor dir rechtfertigen zu müssen.