Warum vermisst du nach einem Abschied die gemeinsamen Wartezeiten?

Du denkst nicht zuerst an große Feiern, sondern an den Bahnsteig. Ihr habt dort oft nebeneinandergestanden, über Müdigkeit geredet und schweigend auf die Anzeige gesehen. Jetzt wartest du allein und spürst, wie viel Verbindung in einer Zeit lag, die früher bloß überbrückt werden sollte.

Gemeinsames Warten verlangt manchmal erstaunlich wenig und ermöglicht gerade dadurch Nähe. Niemand muss ein besonderes Erlebnis herstellen. Kleine Bemerkungen bekommen Platz, die zwischen festen Terminen leicht verloren gehen. Wenn ein Mensch fehlt, werden solche unscheinbaren Zwischenräume als Teil eurer Beziehung sichtbar.

Du darfst sie genauso vermissen wie einen besonderen Urlaub. Vielleicht erzählst du jemandem von einer dieser Bahnsteigszenen. Erinnerungen müssen nicht spektakulär sein, um zu zeigen, wie selbstverständlich ein Mensch zu deinem Alltag gehörte.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

Nach oben scrollen