Auf dem Gruppenfoto entdeckst du dich am Rand. Die Falten um deine Augen und deine Haltung wirken fremder als im Spiegel. Du suchst nach einem ungünstigen Winkel und merkst zugleich, dass das Bild etwas zeigt, dem du im Alltag kaum besondere Aufmerksamkeit schenkst.
Dein inneres Selbstbild verändert sich nicht im selben Tempo wie einzelne Aufnahmen. Ein Foto friert zudem einen winzigen Moment ein, ohne deine Bewegungen, deine Stimme oder deinen Humor mitzuliefern. Es zeigt eine Ansicht von dir, nicht die abschließende Wahrheit über dein Alter oder deine Ausstrahlung.
Du darfst das Bild ungewohnt finden. Vielleicht schaust du später noch einmal darauf und siehst auch, neben wem du stehst. Dein Gesicht gehört zu diesem gelebten Augenblick, nicht bloß zu einer Bewertung.