Montag ist derselbe Weg zur Arbeit. Doch an einem Tag fühlst du dich unsichtbar, am nächsten stark. Wie kann dieselbe Situation so verschieden aussehen? Was sich ändert, ist die Brille, durch die du sie betrachtest. Hungrig, müde, verletzt, verliebt. Jeder Zustand färbt, was du siehst.
Vielleicht denkst du: Dann stimmt ja gar nichts von dem, was ich fühle. Doch das Gegenteil ist richtig. Alles, was du fühlst, stimmt. Es stimmt nur nie allein. Ein Streit ist aus deiner Sicht ein Angriff, aus der Sicht des anderen ein Hilferuf. Beide Geschichten sind wahr.
Neugier ist hier dein Werkzeug. Statt zu fragen, wer recht hat, frag: Warum sehe ich es gerade so? Diese Frage öffnet, während das Urteil verschließt. Angst will festhalten und verurteilen, Liebe will verstehen.
Du musst nicht jeden Blickwinkel auf einmal sehen. Ein kleiner ehrlicher Gedanke genügt: Vielleicht gibt es mehr, als ich jetzt sehe. Das ist kein Zweifel an dir, das ist ein Fenster. Und durch ein Fenster fällt Licht.