Warum räumst du für das neue Ortsarchiv alle Gebrauchsspuren weg?

Für die kleine Ausstellung im Gemeindehaus sortierst du alte Veranstaltungsprogramme. Auf einem Heft stehen handschriftliche Änderungen und die Namen der Kuchenbäckerinnen. Du möchtest nur das saubere Exemplar zeigen und legst das beschriebene zum Altpapier. Dabei erzählen gerade diese Notizen etwas darüber, wie der Abend tatsächlich vorbereitet wurde.

Vielleicht trifft auf deinen Ordnungseifer zu: Dahinter steht Angst: dass sichtbare Unordnung eure Arbeit unprofessionell erscheinen lässt. Worauf baust du – auf makellose Ausstellungsstücke oder auf erhaltene Spuren des damaligen Alltags? Nicht jede Randnotiz ist bloß eine Störung im schönen Gesamtbild.

Wer auf Liebe baut, legt das beschriebene Heft zunächst beiseite und bespricht seinen Wert mit dem Archivteam. Du darfst ordentlich präsentieren, ohne vorschnell auszusortieren. Persönliche Angaben prüft ihr gesondert, bevor ihr etwas öffentlich auslegt.

Bleib neugierig.

Einmal pro Woche: eine Frage, eine konkrete Alltagsszene und ein bewusst ausgewählter Text aus dem Archiv. Manchmal kommt ein Einwand dazu – damit aus Nachdenken keine neue Vorschrift wird. Kein Feed der neuesten Beiträge.

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