Im kleinen Stadtmuseum möchtest du das Modell des alten Marktplatzes ohne Menschen fotografieren. Du wartest nicht bis nach der Erklärung, sondern bittest alle, kurz zur Seite zu gehen. Danach soll die Führerin noch einen Schritt zurücktreten. Dein Erinnerungsbild wird leerer, die gemeinsame Besuchszeit für andere kürzer.
Vielleicht steht hinter dem Drang dieser Gedanke: Dahinter steht Angst: ohne ein gelungenes Foto nichts Bleibendes vom Besuch mitzunehmen. Worauf baust du – auf eine ungestörte Aufnahme oder auf gemeinsam erlebte Aufmerksamkeit? Nicht jede Erinnerung braucht einen freien Bildausschnitt auf deinem Handy.
Wer auf Liebe baut, hört erst zu und fragt später nach einer passenden Fotogelegenheit. Du darfst auch mit einem unvollkommenen Bild nach Hause gehen. Vielleicht erinnerst du dich dafür an die Frage des Kindes neben dir.