Warum räumst du deine Tasche nicht vom letzten freien Sitzplatz?

Die Straßenbahn füllt sich, deine Tasche steht neben dir. Eine Frau bleibt im Gang stehen. Du schaust zum Fenster, obwohl du ihren suchenden Blick bemerkt hast. Niemand hat dich angesprochen, also bleibt die Tasche sitzen. Aus einem gemeinsamen Platz ist still dein zusätzlicher Abstand geworden.

Vielleicht passt auf diesen Moment der Satz: Dahinter steht Angst: vor fremder Nähe und davor, unterwegs keinen Rückzugsraum zu haben. Worauf baust du – auf einen besetzten Nachbarsitz oder auf eine freundlich ausgesprochene Grenze? Dein Bedürfnis nach Ruhe braucht keinen zweiten Fahrschein.

Wer auf Liebe baut, nimmt die Tasche auf den Schoß, ohne daraus eine Heldentat zu machen. Du darfst Kopfhörer tragen und schweigen. Platz freigeben verpflichtet dich weder zu einem Gespräch noch zu guter Laune.

Bleib neugierig.

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