Der Teller steht am Fenster, du hast die Gabel schon zurechtgelegt. Auf dem ersten Foto stört dich ein Schatten, auf dem zweiten der angeschnittene Glasrand. Du rückst das Essen näher ans Licht. Inzwischen ist die Sauce lauwarm, und dein Hunger wird größer.
Manchmal lässt sich vermuten: Dahinter steht Angst: Der schöne Moment könnte ohne gelungenes Bild nicht richtig zählen. Worauf baust du – auf das vorzeigbare Tellerfoto oder auf den Geschmack des warmen Essens?
Wer auf Liebe baut, kann Erinnerungen festhalten und trotzdem rechtzeitig zur Gabel greifen. Du darfst nach einem Bild aufhören, auch wenn der Ausschnitt nicht stimmt. Oder heute keines machen. Die Mahlzeit muss später niemanden beeindrucken, damit sie dir jetzt Freude und einen vollen Bauch geben darf.